Optionsscheine als guter Zeitpunkt für eine Investition in Gold

Optionsscheine als guter Zeitpunkt für eine Investition in Gold
Das gute alte Sprichwort „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ hat auch heute noch seine Gültigkeit. Leider kommt es manchmal auch vor, dass man Dinge gerne jetzt tun würde, aber dass man im Augenblick nicht die Möglichkeit dazu hat – zum Beispiel wenn man der Meinung ist, dass gerade ein guter Zeitpunkt für eine Investition wäre und die dafür erforderlichen Mittel nicht verfügbar sind, weil sie anderweitig gebunden sind. Wenn man zum jetzigen Zeitpunkt nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung hat, die man beispielsweise für eine geplante Investition in Aktien oder Gold bräuchte, weil die entsprechenden Gelder noch für einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren angelegt sind und wenn man in genau diesem Zeitraum mit starken Kurssteigerungen rechnet und man deshalb möglicherweise auf Gewinne verzichten muss, wäre das mehr als ärgerlich.

In dieser Situation sind Optionsscheine die richtigen Instrumente. Mit dem Kauf eines solchen Scheines erhält man das Recht, bis zu einem späteren Zeitpunkt eine Aktie oder eine bestimmte Menge Gold kaufen zu dürfen – und zwar zu einem bereits heute festgelegten Preis. Damit hat man sich die Chance bewahrt, am erhofften Aufschwung teilzuhaben.

Sollte dieser wider Erwarten nicht stattfinden, müsste man das Gold oder die Aktie gar nicht kaufen, denn mit dem Optionsschein erwirbt man nur das Kaufrecht, nicht aber eine Kaufpflicht. Fallen die Kurse unter den vereinbarten Preis, so verzichtet man auf das Recht und lässt den Schein verfallen. Damit ist natürlich das eingesetzte Kapital für den Schein verloren, aber wenn man beispielsweise die Aktie gekauft hätte, müsste man bei gefallenen Kursen auch Verluste einstecken.

Optionsscheine, die zum Kauf berechtigen heißen Call-Optionsscheine. Daneben gibt es noch Verkaufsoptionsscheine, so genannte Put-Options- scheine, mit denen man das Recht erwirbt, z.B. eine Aktie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem heute festgelegten Preis zu verkaufen. Ein Put kann sich dann lohnen, wenn man mit sinkenden Kursen rechnet.

An einem Praxisbeispiel kann man gut sehen, wie man sich mit einem Call- Optionsschein auf Gold mit geringem Kapitaleinsatz die Chance auf künftig steigende Kurse sichert. Angenommen ein Investor hat im Mai 2003 einen Betrag von 10.000 in festverzinslichen Anlagen noch für zwei Jahre angelegt. Der Goldpreis beträgt zu diesem Zeitpunkt 350,- Dollar pro Unze. Zur einfacheren Beispielsrechnung unterstellen wir einen Euro-Dollar-Kurs von 1:1. Der Investor glaubt, dass der Goldpreis in den nächsten zwei bis drei Jahren deutlich über 400 Euro steigen wird und möchte sich deshalb das Recht sichern, zur Fälligkeit seiner festverzinslichen Anlage im Mai 2005 das gelbe Metall für 380,- Euro pro Unze zu kaufen. Er könnte dann für den freiwerdenden Betrag gut 26 Unzen kaufen. Deshalb kauft er 260 Optionsscheine, von denen jeder zum Bezug einer zehntel Unze berechtigt bei einem Goldpreis von 380,- Euro.

Die Scheine sind gültig bis zum 28. Juni 2005 und kosten pro Stück 1,70 Euro. Der Gesamtbetrag für dieses Options-Geschäft beläuft sich demzufolge auf 442,- (260 x 1,70). Wenn der Goldpreis bis zum Freiwerden der fest angelegten Summe z.B. auf 450,- Euro steigt, könnte der Anleger dann trotz des gestiegenen Preises 26 Unzen je 380,- kaufen und zahlt dafür 9.880,- Euro. Der echte Marktpreis wäre zu diesem Zeitpunkt jedoch 11.700,- (26 x 450,-), also 1.820,- Euro mehr (in der Praxis kauft der Anleger die 26 Unzen zwei Jahre später zu dem dann gültigen Kurs von 450,- Euro und verkauft seine 260 Optionsscheine mit dem entsprechenden Gewinn). Abzüglich der 442,- für den Kauf der Call-Optionsscheine, hat der Investor also einen Vorteil von 1.378,- Euro – das sind mehr als 13 Prozent bezogen auf den gesamten Kapitaleinsatz. Die Transaktionskosten – Gebühren und Provisionen für Kauf und Verkauf der Scheine – sind in diesem Beispiel außer Acht gelassen.

In Bezug auf die reine Optionsscheinprämie liegt der Profit um ein Vielfaches höher. Der Einsatz von 442,- beschert innerhalb von 2 Jahren einen Gewinn von 1.378,- Euro, das sind über 300 Prozent mit dem so genannten Hebel-Effekt. Genau dieser Effekt ist es, den die geübten Anwender von Optionsscheinen schätzen. Denn während der Goldpreis um knapp 30 Prozent von 350, – auf 450, – steigt, erhöht sich der Wert der Optionsscheine um mehr als das Zehnfache des Goldpreisanstieges: der Anleger macht in zwei Jahren 300 Prozent Gewinn, indem er 442,- Euro investiert und sich einen Vorteil von 378,- Euro beim späteren Kauf des Goldes verschafft. Die echten Optionsschein-Profis arbeiten ausschließlich mit diesem Hebel, d.h. sie investieren in Optionsscheine ohne die wirkliche Absicht, zu einem späteren Zeitpunkt die zugrunde liegende Aktie oder das Gold zu kaufen.

Der Call-Optionsschein gibt dem Käufer das Recht zu kaufen, verpflichtet ihn aber nicht zum Kauf. In dem oben aufgeführten Beispiel haben die Scheine nach zwei Jahren einen inneren Wert von 1.378 Euro; das ist der Betrag, den ein Anleger beim Kauf von 26 Unzen Gold mit Hilfe der Call-Scheine spart. Diesen Wert kann sich der Besitzer der Scheine von dem Herausgeber der Optionsscheine, der emittierenden Bank, auszahlen lassen anstatt tatsächlich 26 Unzen zum günstigeren Kurs zu kaufen. Mit diesem Hebel lassen sich stattliche Gewinne erzielen, aber er hat auch seine Tücken.

Er ist genauso für das erhöhte Risiko dieser Finanzinstrumente verantwortlich, denn er wirkt auch in die entgegengesetzte Richtung. Treten nämlich die Erwartungen des Optionsscheinkäufers innerhalb der Laufzeit des Scheines nicht ein, so fallen die prozentualen Wertverluste von Optionsscheinen größer aus als die Wertveränderungen beim Gold oder bei einer Aktie. Wenn der Goldpreis bis zum „Verfallsdatum“ der Scheine nur auf 370,- steigt oder auf 320 Euro fällt, verlieren die für 442,- gekauften Optionsscheine ihren Wert vollständig. Das ist dann ein Totalverlust auf die eingesetzte Optionsscheinprämie. Wer also mit Optionsscheinen handelt, muss genau wissen, worauf er/sie sich einlässt. Vor dem ersten Optionsschein- Kauf verlangt jede Bank zum Schutz des Anlegers einen Nachweis der so genannten Termingeschäftsfähigkeit. Hierzu wird eine Infobroschüre mit Unterschriftsformular ausgehändigt und der zukünftige Käufer muss per Unterschrift bestätigen, dass er Kenntnis über die Besonderheiten und Risiken von Finanzinstrumenten mit Verfallsdatum hat.

Die klassischen Gold-Optionsscheine für Privatkunden werden nur von wenigen Emissionshäusern begeben. In Deutschland sind die wichtigsten Anbieter die Deutsche Bank, die UBS und die Dresdner Bank. Da Gold in der Regel in US-Dollar gehandelt wird, beziehen sich die meisten Gold-Optionsscheine auf den Goldkurs in Dollar. Anleger, die am Goldmarkt mit Optionsscheinen Gewinne erzielen wollen, sollten sich nicht nur wegen der erforderlichen Termingeschäftsfähigkeit vertiefte Kenntnisse über diese Finanzinstrumente aneignen, sondern insbesondere zum eigenen Schutz vor Risiken. Im Internet findet man auf den Seiten der BNP Paribas (s. Anhang Internetseiten) die Optionsschein-Akademie. Das ist ein ausführliches Trainingsprogramm, das sämtliche Aspekte und alle wichtigen Fragen im Zusammenhang mit Optionsscheinen behandelt. Sehr gute Infos zu Optionsscheinen, Kursen und hilfreiche Rechentools stellen Onvista und Consors im Internet zur Verfügung.