Niedrige Verzinsung hohe Kurse und sicher am Gold anlegen

Niedrige Verzinsung hohe Kurse und sicher am Gold anlegen
Wir hatten fast eine Panik“, sagte ein Händler für US-Staatsanleihen in New York. Noch wenige Wochen zuvor hatten sich Investoren trotz der niedrigen Verzinsung und der hohen Kurse auf amerikanische Staatsanleihen gestürzt und wild eingekauft, weil sie Angst vor einer Deflation hatten und mit noch stärker sinkenden Zinsen gerechnet hatten. Anfang Mai hatte Greenspan gerade erst vor den Gefahren einer Deflation gewarnt. Mit einer geringer als erwartet ausgefallenen Zinssenkung und optimistischen Wachstumsprognosen gab er im Juli 2003 ein Signal in die andere Richtung. Anleger, die meinten, dass Staatsanleihen eine sichere Anlage sind und keine allzu großen Sprünge machen, erlebten jetzt ihr blaues Wunder. Seit Mitte Juni waren die Kurse der Staatsbonds drastisch gefallen und nun wollten ihre Besitzer die Papiere schnellstmöglich wieder loswerden, was beinahe den schon längst erwarteten Bond-Crash ausgelöst hätte. Der Hauptgrund für den Ausverkauf der Staatspapiere waren Sorgen, dass die USA mehr neue Anleihen als erwartet begeben würden, um ihr Rekordhaushaltsdefizit von 455 Milliarden Dollar zu finanzieren. Dadurch würde der Wert der bereits verkauften Anleihen reduziert, unter anderem auch deshalb, weil neue Anleihen möglicherweise mit höheren Zinsen ausgestattet sein müssten, um genügend neue Investoren anzulocken.

In den USA hatte die Verschuldung des Staates ebenso wie in Deutschland ungeahnte und noch nie da gewesene Dimensionen angenommen, weil die regulären Einkünfte der Staaten – die Steuern – schon längst nicht mehr ausreichten, um die Ausgaben auszugleichen. Seit Jahren gingen die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer – das sind Steuern, welche die Unternehmen zu entrichten haben – nicht nur zurück, sondern es gab sogar einen negativen Steuereffekt. Das heißt, durch Subventionen an Unternehmen und Steuerrückzahlungen musste der Staat mehr ausgeben als er einnahm.

Ähnlich ist es bei den Kommunen mit der Gewerbesteuer: auch hier ist das Steueraufkommen negativ. Große Konzerne mit internationaler Ausrichtung nutzen Schlupflöcher über ausländische Niederlassungen oder Tochterfirmen und ersparen sich die Steuern. Hauptträger der Steuerlast sind die mittelständischen und kleinen Unternehmen. Doch auch hier gehen Umsätze und Gewinne zurück, was zu weniger Steuereinnahmen bei Städten und Gemeinden führt. Durch die schwache Konjunktur der letzten Jahre sieht die Situation bei Einkommens- und Umsatzsteuer nicht viel besser aus.

Trotz sinkender Einnahmen im öffentlichen Sektor bleiben die Ausgaben konstant oder steigen weiter an. Selbst durch die Schließung von öffentlichen Bädern, Theatern, Büchereien, Sportstätten und durch Einstellungstops auf allen Ebenen der öffentlichen Körperschaften ist nicht genügend Sparpotential gegeben, um die fehlenden Mittel auszugleichen. So bleibt am Ende nur die Aufnahme von Krediten, um die laufenden Kosten zu decken. Leider werden dadurch die Probleme nicht gelöst, sondern verschärft. Denn jeder Kredit muss irgendwann zurückgezahlt werden und bis zum Rückzahlungszeitpunkt müssen regelmäßig Zinsen bezahlt werden. Die Hoffnung, dass bis zum Tag der Fälligkeit genug Geld in die Kassen gekommen ist, hat sich bisher nur sehr selten erfüllt. Die öffentlichen Einnahmen haben sich in der Regel während der Laufzeit der Kredite nicht so sehr erhöht, dass beim Rückzahlungstermin die Schulden getilgt werden können. Deshalb müssen neue Darlehen aufgenommen werden, um die alten abzulösen.

Der Kreditbedarf steigt jährlich an, weil in jedem Jahr nicht genügend Geld in die Staats- und Gemeindekassen fließt. Um den jeweiligen Bedarf zu decken, müssen nicht nur Altkredite durch neue Darlehen ersetzt werden, sondern es müssen zusätzliche Kredite aufgenommen werden, um überhaupt noch Nettoeinnahmen zu erzielen. Das führt dazu, dass statistisch gesehen bereits jedes Neugeborene in Deutschland das Leben mit einem staatlichen Schuldenpaket von über 15.000 Euro beginnt. Eine vierköpfige Familie kommt hochgerechnet auf über 60.000 Euro. Die Gesamtschuldenlast in Deutschland von Bund, Länder und Gemeinden beträgt inzwischen 1.302.761.267.173 Euro (Stand 12. 8. 2003). Allein der Bund, auf den 56,5 Prozent der Schulden entfallen, muss jährlich rund 40 Milliarden Euro nur für die Zinsen aufbringen, ohne dass auch nur ein Cent Tilgung dabei wäre

In den Vereinigten Staaten sieht die Lage nicht viel besser aus. Innerhalb von nur zwei Jahren hatte es die Regierung unter George W. Bush geschafft, durch Steuersenkungen und großzügige Förderprogramme einen Haushaltsüberschuss in ein Defizit von noch nie da gewesenen Ausmaßen zu verwandeln. Die meisten Amerikaner hatten der Staatsverschuldung lange Zeit wenig Beachtung geschenkt, obwohl die große Leuchttafel an einer Hauswand nahe dem Times Square in New York für jeden sichtbar von Sekunde zu Sekunde das Schuldenwachstum des Landes zählte. Das amerikanische Staatsdefizit wuchs zeitweise so schnell, dass die letzten Ziffern auf dem Leuchtschild nur noch verschwommen zu sehen waren. An einem Freitag im September 2003 zeigte die Schuldenuhr: „Unsere nationalen Schulden: $ 6 913 377 817 326. Ihr persönlicher Anteil: $ 74 374.“ Noch keine Regierung hatte jemals zuvor in so kurzer Zeit die Staatsfinanzen in solche Unordnung gebracht. Binnen zweieinhalb Jahren waren aus einem Überschuss von 237 Milliarden Dollar ein Minus von über 400 Milliarden geworden – die Kosten für den Irakkrieg nicht eingeschlossen

Die wachsende Verschuldung zieht einen ständig steigenden Anteil der Zinslast am Gesamthaushalt des Staates und der Gemeinden nach sich. Irgendwann ist die Zinslast für die Schuldner so hoch, dass keine freien Mittel mehr für weitere Zinszahlungen oder gar für Rückzahlungen zur Verfügung stehen. Die Staaten verlassen sich darauf, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung mit zunehmender Inflation gegenentwertet wird, dass also die Last der Schulden durch eine Verminderung des Geldwertes gesenkt wird. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb die Politiker und Notenbanker das Deflationsgespenst mit allen Mitteln vertreiben wollen. In einer Deflation wird der Geldwert nicht verringert, sondern erhöht und damit können sich die Kräfte zur Entschuldung nicht entfalten.

Ab einer bestimmten Verschuldungshöhe gibt es allerdings nur zwei Möglichkeiten für einen Staat. Entweder er macht immer schneller immer höhere Schulden, indem er sich von der Notenbank neues Geld auszahlen lässt, bzw. neue Anleihen begibt, wodurch das bereits vorhandene Geld immer weniger wert wird. Oder er zahlt keine Zinsen mehr und nimmt keine neuen Kredite mehr auf, was letztendlich zum Bankrott führen würde. Beide Möglichkeiten würden höchstwahrscheinlich zu einer Währungsreform führen. Danach würde man für die Altschulden einen Vergleich mit den Gläubigern anstreben. Der Staat hätte eine erhebliche Teilentschuldung erwirkt, die Bürger wären sozusagen teilenteignet worden

Die meisten Käufer von Staatsanleihen haben sich darüber noch keine großen Sorgen gemacht, da der Staat – ganz gleich ob Deutschland oder die USA – immer noch als zuverlässiger Schuldner gilt. Die Mehrheit der Anleger vertraut darauf, dass die Politiker und die Notenbanker alles unter Kontrolle haben. Wenn aber einmal ein kleiner Misstrauensfunke überspringt, kann es sehr schnell passieren, dass private Anleger ihre Gelder dem Staat nicht mehr überlassen wollen. Eine Vertrauenskrise könnte sich heutzutage sehr schnell in eine Finanzkatastrophe verwandeln. Innerhalb von Sekunden können Investoren auf elektronischem Weg ihr Kapital abziehen, wenn ein Staat ein außergewöhnliches Defizit veröffentlicht. Andere Weltregionen können infiziert werden, wenn plötzlich die Meinung aufkommt, dass die Entwicklung zweier Länder ähnlich verläuft oder verlaufen könnte. So kann eine kleine politische Fehlentscheidung in einem Land zu Kapitalflucht und Wirtschaftskrisen in Ländern eines anderen Kontinents führen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass bei sich anbahnenden Krisen Gold immer stärker nachgefragt wird. Sein Wert wird voraussichtlich stark steigen und es ist dann eines der sichersten Vermögensaufbewahrungsmittel, wenn man physisches Gold in Form von Barren oder Münzen besitzt. Wenn die Papierwerte wie Anleihen, Aktien, Zertifikate, Bargeld etc. an Wert verloren haben werden, wird Gold seinen Eigentümer in die Lage versetzen, überall bezahlen zu können und neue, lukrative Investitionen zu tätigen, wo die Krise günstige Gelegenheiten geschaffen hat.