Goldminenaktien steigende Goldpreisen und die Produzenten von Gold

Goldminenaktien steigende Goldpreisen und die Produzenten von Gold
Bei steigenden Goldpreisen profitieren die Produzenten von Gold, die Goldminengesellschaften, in besonderem Maße daran. Um als privater Investor überdurchschnittlich mitzuverdienen, muss man keine ganze Goldmine kaufen, es reicht ja auch, wenn man Anteile an Goldminen erwirbt. In den vier Hauptförderländern Australien, Kanada, Südafrika und USA gibt es eine Vielzahl börsennotierter Gesellschaften, die für ein Investment in Frage kommen. Bei der Auswahl einzelner Gold-Titel für das private Portfolio sind jedoch andere Aspekte zu berücksichtigen als bei der Bewertung der Aktien aus anderen Branchen.

Der Unterschied zwischen den Goldminen und Unternehmen aus anderen Wirtschaftsbereichen liegt beispielsweise darin, dass alle Goldproduzenten ein einheitliches, homogenes Produkt hersteilen, nämlich Gold. Weil es eine Vielzahl von Produzenten mit einem identischen Produkt gibt, ist es einem einzelnen Anbieter nicht möglich, einen höheren Goldpreis durchzusetzen. Im Vergleich zu Industriewerten spielen die Marktstellung, das Produkt-Portfolio oder die Produkt-Pipeline für das Anlageurteil keine entscheidende Rolle. Auch die bei Standardaktien gebräuchlichen Bewertungsverfahren wie Gewinnwachstum oder Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) greifen nur wenig bei der Beurteilung der Goldproduzenten, da der Unternehmenswert weniger aus der laufenden Gewinnentwicklung, als vielmehr aus der Bewertung der Goldreserven hergeleitet wird. Wichtige Kriterien, die bei der Beurteilung von Goldminenaktien eine Rolle spielen, sind unter anderen der Net Asset Value (NAV), das Hedge-Book und der Optionswert 

Der Net Asset Value stellt den Wert der gesamten Reserven eines Unternehmens dar. Die Net-Asset-Prämie bezeichnet das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum Wert der kompletten Reserven. Dieses Verhältnis gibt an, ob für den Gesamtgewinn einer Minengesellschaft, der beim Abbau aller Reserven entsteht, am Markt ein Aufschlag oder Abschlag bezahlt wird. Der künftige Gesamtgewinn errechnet sich aus der Differenz von Umsatzerlösen, hochgerechnet mit dem aktuellen Goldpreis und Produktionskosten der jeweiligen Gesellschaft.

Für die Nettowertberechnung der Reserven dürfen nur „ungehedgte“ Reserven berücksichtigt werden, da die restlichen Reserven ja bereits vorab verkauft wurden ( s. Artikel „Der Boom“). Aus dem Hedge-Book ist ersichtlich, welche Absicherungs-Instrumente eingesetzt wurden und welche Art der Lieferverpflichtungen die Goldproduzenten eingegangen sind.

Mit dem Optionswert kann man auch Gesellschaften vernünftig bewerten, wenn sie beim aktuellen Goldpreis noch nicht profitabel sind. Dabei werden die gesamten ungehedgten Goldreserven eines Produzenten als Kaufoptionen auf Gold mit einer unterschiedlichen Restlaufzeit betrachtet. Die geplanten Produktionskapazitäten werden in die Zukunft fortgeschrieben, bis die zurzeit festgestellten Goldreserven erschöpft sind und daraus wird der Gesamtoptionswert einer Goldminengesellschaft errechnet.

Die Goldminen mit den größten ungehedgten Reserven und gleichzeitig die bekanntesten Produzenten sind in Nordamerika Newmont Mining, Barrick Gold und Placer Dome, in Südafrika Gold Fields, Anglo Gold und Harmony Gold Mining, in Australien Newcrest Mining und Lihir Gold. Die Aktien der Minengesellschaften werden mit den größten Stückzahlen an den jeweiligen Heimatbörsen gehandelt, die großen Gesellschaften sind auch an den deutschen Börsenplätzen gelistet. Da das Interesse an Minentiteln nach 20 Jahren Goldbaisse hierzulande noch relativ gering ist, kommen keine großen Handelsvolumina zustande. Es empfiehlt sich daher beim Kauf und Verkauf unbedingt mit Limits zu arbeiten.

Bei Investitionen in Goldaktien sind Kursschwankungen von 10 Prozent und mehr pro Handelstag keine Seltenheit und müssen vor Kauf eines Titels einkalkuliert werden, damit man die Freude an seinem Engagement nicht allzu schnell verliert.

Neben den Originalaktien der Unternehmen werden auch so genannte ADR-Aktien (American Depository Receipts) gehandelt. ADRs sind meist auf US-Dollar lautende, handelbare Hinterlegungsscheine, die das Eigentum an Aktien von Nicht-US-Gesellschaften verbriefen. Die Originalaktien besitzt eine US-Bank, die lediglich eine wertlose Bescheinigung, nämlich die ADR-Aktie, herausgibt. Mit dem Kauf einer ADR-Aktie geht der Investor ein doppeltes Risiko ein. Zum einen ist er am Wohl und Wehe der Goldmine beteiligt, zum anderen ist er von der US-Bank abhängig. Geht die Bank in Konkurs, was nicht nur in Argentinien oder Japan passieren kann, könnte sich ein Problem auftun. Aus diesem Grund sollte man beim Kauf von Goldminenanteilen die Originalaktien bevorzugen.