Gefahr für den Dollar Anzahlung Bargeld – Gold und seine Geschichte

Gefahr für den Dollar Anzahlung Bargeld – Gold und seine Geschichte
Autofinanzierung mit Null-Prozent Zins, Null-Prozent Anzahlung und sogar noch Bargeld auf die Hand! Wo gibt es denn so etwas? Natürlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Seit Jahren kaufen die US-Bürger deutlich mehr, als sie sich von ihrem regulären Einkommen leisten können. Und sie konsumieren mehr als die eigene Volkswirtschaft an Waren und Dienstleistungen erzeugt – sie importieren mehr als sie exportieren. Das daraus resultierende Leistungsbilanzdefizit wird für das Jahr 2003 auf über 500 Milliarden Dollar geschätzt. Zu Beginn der achtziger Jahre lag es fast bei Null, das heißt Importe und Exporte hielten sich in etwa die Waage. Der Begriff Defizit bedeutet in diesem Zusammenhang schlicht und einfach „Schulden“, genauso wie im privaten Bereich, wenn man mehr einkauft als man momentan Mittel zur Verfügung hat. Langfristig stellt sich die Frage, wie ein so großer Schuldenberg abgebaut werden kann.

Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Ein Weg ist die Rückkehr zu sehr hohen Wachstumsraten. Tatsächlich konnten die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1992 ein um durchschnittlich 2-Prozent-Punkte höheres Wachstum als Euroland und Japan ausweisen. Dieser Wachstumsvorsprung hat sich inzwischen vollständig aufgezehrt. Rückblickend betrachtet tauchen sogar Zweifel an der früheren Stärke auf. Wachstumszahlen und hohe Produktivitätszuwächse, die oft als Überlegenheitsmerkmale des amerikanischen Wirtschaftssystems genannt wurden, mussten im Nachhinein von den US-Statistikern kräftig nach unten revidiert werden. Das amerikanische Arbeitsministerium musste zugeben, das die Produktivität in den Jahren 1997 bis 2000 um mehr als 0,5 Prozent weniger gewachsen war als ursprünglich angegeben. Um weitere 0,5-Prozent-Punkte niedriger wären die US-Wachstumszahlen ausgefallen, wenn bei der Berechnung des Wachstums im EDV-Bereich – bei Computer-Hardware und -Software – die gleiche Systematik wie in Europa verwendet worden wäre.

Bei vielen Beobachtern verfestigte sich daher der Eindruck, dass die ausländischen Investoren mit geschönten Wirtschaftsdaten bei Laune gehalten werden sollten (6). Auch für das zukünftige Wachstumspotenzial der USA sind vorsichtige Schätzungen angebracht. Denn der „Wachstumsvorsprung“ der Vereinigten Staaten zum Ende der neunziger Jahre gründete auf einem unvergleichlichen Konsumrausch, der auf der gigantischen Spekulationsblase bei den Aktien beruhte. Die Euphorie war zeitweise so groß, dass die Sparquote und die Vorsorge für schlechte Zeiten in den negativen Bereich abstürtzte.

Im Klartext: die Konsumenten verschuldeten sich bis über beide Ohren. Doch auch nach dem Platzen der Blase ging die Konsumorgie weiter. Durch sensationelle Rabattprogramme im Einzelhandel und gnadenlose Preisschlachten bei den Autoherstellern wurde der private Konsum erneut angefacht. Im Vertrauen auf einen jährlich zweistelligen Wertzuwachs beim Immobilienvermögen haben die Verbraucher die Konsumentenkredite auf einen historischen Höchststand von 22 Prozent des verfügbaren Einkommens hochgeschraubt.

Am Ende könnten sich die erhofften Wertsteigerungen bei den Immobilien als ebenso illusionär erweisen wie vorher die erhofften Wertzuwächse bei den Aktien. Die Wachstumssituation der USA in den neunziger Jahren kann sich nicht noch einmal wiederholen, da sie auf Überkonsum der Verbraucher beruhte. Daher ist ein Weg zur Entschuldung durch überdurchschnittliches Wachstum eher unwahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass in den neunziger Jahren ungeheuer große Kapitalströme mit übertriebenen Renditeerwartungen die Vereinigten Staaten überschwemmten. Insbesondere die Internet-Euphorie und die fast grenzenlosen Erwartungen an die „New Economy“ überfluteten die amerikanischen Technologieunternehmen mit ausländischem Geld. Ausgehend von den amerikanischen Medien wurde eine „neue Ära“ verkündet, deren Lehren insbesondere in Westeuropa sehr großen Anklang fanden. Das Platzen der Aktienblase, Firmenpleiten von Enron, WorldCom und anderen sowie Skandale um zweifelhafte Geschäftspraktiken an der Wall Street hatten zwischenzeitlich die Kapitalzuflüsse gebremst.

Dennoch gehen viele private und institutionelle Anleger weiterhin Investitionsrisiken im amerikanischen Kapitalmarkt ein, teilweise angelockt durch die schnellen Leitzinssenkungen der amerikanischen Notenbank und immer noch vertrauend auf die scheinbare Überlegenheit Amerikas in der Weltwirtschaft.

Allerdings hatten alle Kategorien amerikanischer Wertpapiere, also gleichwohl Aktien wie auch Anleihen, ab Mitte 2002 durch den Verfall des US-Dollars starke Verluste verbuchen müssen, wenn sie nicht währungsgesichert waren. Bei anhaltender oder sich beschleunigender Dollarschwäche ist es leicht vorstellbar, dass immer mehr Anleger die Flucht ergreifen und ihre US-Papiere verkaufen. Dann wird eine Spirale in Gang gesetzt, die den Dollar noch tiefer sinken lässt und die Verluste noch weiter vergrößert.

Von dieser Entwicklung sind Anleger natürlich umso stärker betroffen, je mehr sie in Dollar-Anlagen investiert haben. Richtige Dollar-Großanleger sind die Zentralbanken anderer Nationen, speziell die Notenbanken in Japan, China, Südkorea, Hongkong und Taiwan. Durch die hohen Leistungsbilanzdefizite mit diesen Staaten haben sich dort enorme Währungsreserven in US- Dollar angehäuft. Die Strategie der asiatischen Länder bestand und besteht zurzeit immer noch darin, Waren in die USA zu exportieren und die erlösten Dollar nicht in heimische Währung zu wechseln. Dadurch wurden die vorteilhaften Wechselkursverhältnisse, nämlich ein starker Dollar, gestützt und die Importe für Amerikaner wurden somit billig gehalten. Auf diese Weise war es möglich, einem Land wie den USA viele billige Waren zu verkaufen und ein höheres Wachstum zu erzielen, als dies allein auf Basis der Nachfrage in den asiatischen Ländern möglich gewesen wäre.

Durch diese Strategie hat der Anteil des US-Dollar an den gesamten Weltwährungsreserven in den letzten 10 Jahren ständig zugenommen. Ende des Jahres 2001 waren 68 Prozent der Weltdevisenreserven US-Dollar. Der Euro, welcher ein Wirtschaftsgebiet von ähnlicher Leistungskraft wie die USA vertritt, brachte es gerade einmal auf 13 Prozent.

Sollte die Strategie der asiatischen Länder angesichts der absehbaren Konjunktur- und Konsumschwäche der Amerikaner nicht mehr funktionieren, könnten die Notenbanken dieser Länder einen anderen Kurs einschlagen: Warum sollten sie riesige Dollarbestände horten, wenn die Exportchancen nach Amerika ohnehin schwinden und wenn gleichzeitig der Wert der amerikanischen Währung immer geringer wird? Dann wäre es denkbar, dass Überlegungen zur Risikominimierung und Diversifikation eine größere Rolle spielen und Währungsreserven in anderer Form gebildet werden. Für eine Diversifizierung der großen Notenbankportfolios kommen nicht viele Möglichkeiten in Betracht – hauptsächlich europäische Staatsanleihen und Gold.