Entschuldung auf amerikanische Art Verschuldung Handelsdefizit usw.

Entschuldung auf amerikanische Art Verschuldung Handelsdefizit usw.
Der bekannte amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway soll einmal gesagt haben: „Das erste Heilmittel für eine schlecht geführte Nation ist Inflation; das zweite ist Krieg. Beide bringen zeitweiligen Wohlstand; beide führen auf Dauer in den Ruin.“ So wie sich die Lage der amerikanischen Nation im Jahr 2003 darstellte, sah es eindeutig danach aus, dass die USA zu beiden „Heilmitteln“ gleichzeitig griffen. Nach dem noch nicht abgeschlossenen Afghanistan-Feldzug gönnte sich die Supermacht nur eine kleine Verschnaufpause, um dann recht zügig einen neuen Feind, Saddam Hussein, zu attackieren. Und kaum waren die „Hauptkampfhandlungen” im Irak beendet, waren auch schon die nächsten Gegner ausgemacht, die es zu bedrohen und notfalls auch zu besiegen galt: der Iran und Nordkorea.

Der Grund, weshalb für Amerika ein einziges Heilmittel gar nicht mehr ausreichend erschien, lag in der unglaublichen Verschuldung, dem noch nie in einer solchen Größenordnung da gewesenen Handelsdefizit. Die Tatsache, dass ein offizielles Mitglied der amerikanischen Notenbank öffentlich und laut über die Zerstörung der Landeswährung nachdachte, wurde in ihrer vollen Bedeutung vermutlich noch lange nach dieser Rede des Gouverneurs Bernanke am 21. November 2002 vor dem National Economists Club nicht erkannt. Zumindest wurden seine Ausführungen noch nicht ganz für bare Münze genommen. Wahrscheinlich aber erschien es den meisten viel zu absurd, um zunächst als ernsthafte Bedrohung des weltweiten Finanzsystems angesehen zu werden als er sagte, die US-Regierung habe eine Technologie – die Notenpresse – die es erlaube, praktisch ohne Kosten so viele Dollars zu drucken, wie sie wolle.

Hier handelte sich aber ganz klar um eine ernsthafte Aussage von Seiten des offiziellen Amerika: Entschuldung durch die Gelddruckmaschine. Dies ist historisch einzigartig; noch nie zuvor hatte ein Staat in einer derartigen Form angekündigt, sein Geld entwerten zu wollen und seine Währung zu ruinieren. Der dahinter stehende Gedanke war der, dass man mit einer extrem lockeren Geldpolitik die strukturellen Probleme, die aus den neunziger Jahren ins neue Jahrtausend mit übergesiedelt waren, schnell und nachhaltig lösen könnte. Als letzten Rettungsanker hätte man sogar noch weitere, „unkonventionelle“ Maßnahmen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Mit diesen unkonventionellen Maßnahmen war in erster Linie der Aufkauf von Staatsanleihen gemeint, der verhindern sollte, dass Deflation entsteht bzw. dass die Inflation zu niedrig würde.

Das Schlimme an einer Deflation oder zu niedrigen Inflation wäre ja, dass man seine Schulden tatsächlich mit realem, wertvollem Geld zurückzahlen müsste. Das sollte in jedem Fall verhindert werden, notfalls in der Form, dass die US-Notenbank kurz- oder längerlaufende Staatsanleihen aufkaufen würde und mit neugedruckten Dollars bezahlen würde. Das höhere Dollar-Angebot würde den Greenback schwächen und über gewollt teurere Importpreise den gewünschten Inflationseffekt erzeugen.

Interessant bei diesem Vorgang des Aufkaufens von Staatsanleihen ist der einfache Funktionsmechanismus. Weist beispielsweise das staatliche Budget ein Defizit auf, so beschafft das Schatzamt (Finanzministerium) Geld zur Bezahlung der öffentlichen Ausgaben, indem es Wertpapiere herausgibt. Die potentiellen Käufer dieser Wertpapiere sind private oder institutionelle Anleger aus dem In- oder Ausland, inländische Banken und die Zentralbank des Landes. In vielen Volkswirtschaften ist die Notenbank der wichtigste Käufer von Schatzanleihen und somit wichtigster Kreditgeber. Der Clou bei diesen Geschäften ist nun folgender: Die Schuld des Schatzamtes gegenüber der Notenbank muss nicht wirklich zurückgezahlt werden; sie stellt lediglich eine Forderung einer staatlichen Institution gegen eine andere dar. Daher besteht der endgültige Effekt des Aufkaufens öffentlicher Anleihen durch die Zentralbank darin, dass der Staat ein Defizit eingeht, für das er mit einem erhöhten Geldangebot in Händen des Publikums bezahlt. Da es wenig kostet, Geld zu drucken, kann der Staat Güter und Dienste zu geringen Kosten erwerben.

Der Haken an der Sache ist, dass diese so genannte Monetisierung des Budgetdefizits zu Inflation führt. Das Elegante an der Sache ist, dass genau dieser Effekt von der US-Notenbank gewünscht wird. In dem Maße, wie die Notenbank Schatzanleihen erwirbt, finanziert der Staat sein eigenes Defizit durch eine Erhöhung des Geldangebotes.

Die Krönung dieser Methode besteht darin, dass in den USA das Schatzamt zwar Zinsen auf die von der Fed gehaltenen Schuldtitel zahlt, aber diese Zinsen werden von der Fed über Transferzahlungen wieder an das Schatzamt zurückgegeben. Das Schatzamt zahlt nur Zinsen auf die vom Publikum gehaltenen Staatsanleihen, nicht aber auf die von der Fed. Schöner kann Schuldentilgung nicht mehr sein: Schulden werden mit Schulden finanziert, und zwar zum Nulltarif – Entschuldung auf amerikanische Art.

Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Politik sind allerdings enorm und betreffen nicht nur Amerika, sondern den Rest der Welt. Sollte nämlich das gutgläubige Publikum mit der Zeit argwöhnisch werden und diese Methode missbilligen, erleben wir eine große Geldpanik. Dann geht es denjenigen gut, die Gold besitzen.