Die wundersame Geldvermehrung – Reichtümer Spekulationen und Pleiten

Die wundersame Geldvermehrung – Reichtümer Spekulationen und Pleiten
Reichtümer, Spekulationen und Pleiten – all das haben viele Menschen schon hautnah erlebt – zumindest wenn sie jemals im Leben eine Partie „Monopoly“ gespielt haben. Fast jeder kennt das beliebte Gesellschaftsspiel und wenn es um das große Geld geht, können wir daraus einige sehr interessante Erkenntnisse für das richtige Leben gewinnen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Ur-Idee zu dem bekanntesten Geldspiel aller Zeiten nicht von einem Spiele- oder Spielzeughersteller kam, sondern von Studenten und Hochschullehrern der Wirtschaftswissenschaften. In seinem Beitrag zur Goldstudie der Baden-Württembergischen Bank hat Dr. Markus Stahl die Botschaft des Spiels in einen aufschlussreichen Zusammenhang mit dem Gold gebracht. Die ersten Spielrunden beim „Monopoly“ laufen eher langweilig. Man konzentriert sich auf die gewürfelte Punktezahl und hofft, auf einer attraktiven Straße zu landen, die noch zu haben ist. Zwischen den einzelnen Mitspielern gibt es keine besonderen Vermögensunterschiede. Beim Kauf der ersten Straßenzüge verhalten sie sich verhältnismäßig sparsam, kalkulieren ihre knappe Barschaft genau und geben bei Kauf- und Tauschgeschäften von Straßen ihre Gebote an die anderen Spielern nur in der Nähe der Ursprungskaufpreise ab.

Schrittweise verändert sich der Charakter des Spieles. Es wird schneller und hitziger. In der Schlussphase werden bei den Kauf- und Tauschgeschäften aberwitzig hohe Beträge für bestimmte Straßen erzielt. Immer mehr Geld konzentriert sich bei immer weniger Spielern. Einige Straßenzüge erzielen Rekordpreise und immer mehr Spieler scheiden durch Pleiten aus. Manche müssen dabei ihre Straßen zu Ausverkaufspreisen an die wenigen Spieler abgeben, die noch liquide sind. Ganz am Schluss sind alle Mitspieler zahlungsunfähig – aller Reichtum liegt beim Sieger.

Wie kommt es zu einer derartigen Entwicklung? Haben die wenigen reich gewordenen Spieler eine besondere Strategie entwickelt oder sind die Verlierer einfach nur ungeschickt? Hat der eine beim Würfeln ein besonders glückliches Händchen oder haben andere einfach nur Pech? Möglicherweise, aber die Entscheidung beim Monopoly bringt das „Los“. Dies ist umso erstaunlicher, da fast keiner der Spieler, der sich auf diese wohltuende finanzielle Stärkung bei jeder Runde aufs Neue freut, dem Los eine derart einflussreiche Rolle zutraut.

Denn jeder – Gewinner wie Verlierer – ist dankbar, dass dieses Los-Spielfeld existiert. Kommt man über „Los“, dann gibt es 4.000 Geldeinheiten zusätzlich, eine willkommene Stütze für jene Spieler, die knapp bei Kasse sind, und eine weitere Stärkung für die erfolgreichen, die das Extra-Geld in den Ausbau ihrer Häuser- und Hotelketten auf ihren ausgedehnten Straßenzügen investieren.

Die Wirkung des Segen spendenden Los-Feldes liegt darin, dass bei jeder Spielrunde die Geldmenge pro Spieler um 4000 Geldeinheiten erhöht wird. Bei sechs Spielern kommen pro Runde 24.000 Geldeinheiten zusätzlich ins Rennen. Bei 15 Runden hat sich die Geldmenge um 360.000 erhöht. Das ursprüngliche Start-Vermögen beträgt 30.000 Einheiten pro Spieler, bei sechs Spielern also insgesamt 180.000 Einheiten.

Nach 15 Runden ist nun über die Los-Geldquelle die dreifache Geldmenge im Spiel: 180.000 Startguthaben von sechs Spielern plus 360.000 Los-Geld. Man muss sich daher nicht mehr wundern, wenn bei Preisverhandlungen zwischen den Spielern über einzelne Straßen, Bahnhöfe und Straßenzüge im zunehmenden Spielverlauf immer höhere Beträge geboten und erzielt werden. Diese Preisblase beginnt sich immer weiter auszudehnen. Was beim „Monopoly“ als Spiel im Immobiliensektor abläuft, haben Tausende von Aktienanlegern im echten Leben und am eigenen Leib verspürt.

Am Beispiel „Monopoly“ wird der Zusammenhang zwischen einer expansiven Geldpolitik, der Bildung von Preisblasen und daraus resultierenden Entwicklungen deutlich. Während Geld praktisch unbegrenzt und zu minimalen Kosten „gedruckt“ bzw. geschaffen und ausgegeben werden kann, stellt Gold einen handfesten Gegenpol zum Geld dar. Gold als physisches Gut entsteht nicht über Kreditschöpfung, sondern muss in einem aufwändigen Produktionsprozess aus der Erde gewonnen werden. Deshalb haben fast alle Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme der letzten 4000 Jahre dem knappen Rohstoff Gold eine Geldfunktion zugebilligt.

Dass in den letzten zwanzig Jahren der ältesten und wohl auch beständigsten Anlageform der Welt eine eher bescheidene Rolle zugedacht war, wird sich in der nahen Zukunft zweifellos ändern. Der Goldpreis wird in der mittleren und wahrscheinlich schon nahen Zukunft eine positive Entwicklung erfahren. In der momentanen Lage, in der starke Zweifel an den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Grundfesten aufgekommen sind, in der die Verfassung des Geldwesens, die Politik der Zentralbanken sowie die Bonität der öffentlichen und privaten Schuldner kritisch hinterfragt werden, ist Gold wiederentdeckt worden und feiert sein Comeback.