Die Gold-Strategie – Aktien Anleihen Immobilien und Bargeld

Die Gold-Strategie – Aktien Anleihen Immobilien und Bargeld
Wer heute von Vermögen spricht, meint damit immer noch in erster Linie Aktien, Anleihen, Immobilien und Bargeld. Der Wert dieser Anlagen und der Wert des Geldes wird bestimmt durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wenn mehr Geld im Umlauf ist als es Güter zu kaufen gibt, so steigt deren Preis und das Geld wird entwertet. Umgekehrt führt ein Überangebot an Waren zu fallenden Preisen. In der Vergangenheit bediente man sich des Gold-Standards, um das Verhältnis von Geld und Gütern im Gleichgewicht zu halten. Ziel war es, dem manipulierbaren Geld etwas Werthaltiges, nicht beliebig Reproduzierbares, gegenüberzustellen.

Anfang der 70er Jahre wurde mit dem Bretton Woods Abkommen der letzte weltweite Goldstandard abgeschafft. Seit der Aufgabe dieses regulierenden Standards hat sich die Geldmenge weltweit viel stärker ausgeweitet als die Menge der produzierten Güter. Die fast 20-jährige Hausse der Aktienmärkte ist nichts anderes als eine unsichtbare Inflation, die sich seit dem unablässigen Senken der Zinssätze durch die amerikanische Notenbank auch auf die Immobilien übertragen hat. Seit zwei Jahren haben sich die Immobilienpreise speziell in den USA vervielfacht und die Konsumenten haben sich mit billigen Krediten noch tiefer verschuldet. Seit dem Platzen der Aktienblase ist die Rendite von Anleihen weltweit auf Schrumpfkurs und das Geld vieler Anleger sucht verzweifelt Renditen in immer riskanteren Finanzinstrumenten.

Alternative Investments wie Hedge-Funds, die beispielsweise Devisenschwankungen zur Erwirtschaftung hoher Renditen nutzen, stehen inzwischen auch Privatkunden zur Verfügung und werden als zukunftsträchtige Anlagen angepriesen. Dass die damit verbundenen Risiken immer stärker steigen, schreckt zurzeit scheinbar niemanden ab. Bereits heute nutzen spekulativ eingestellte Anleger die Möglichkeit, an Energiebörsen auf sinkende oder steigende Strompreise zu setzen. In Zukunft könnte der Gasmarkt hinzukommen und der Aufbau von organisierten Börsen für den Handel von Telefonminuten ist schon in der Planungsphase. Investmentspezialisten prüfen bereits die Möglichkeiten zur Schaffung von Produkten in den Bereichen Farmland, agrar- und forstwirtschaftliche Nutzflächen, Wetterderivate und Katastrophen-Bonds. Wenn das nicht zur Katastrophe für viele Privatanleger wird! Diese werden zwar zunächst noch etwas warten müssen, bis sie in diese alternativen Investments einsteigen dürfen. Wenn die Testphase mit den institutionellen Anlegern jedoch erfolgreich abgeschlossen ist, werden die Pforten auch für die Privaten geöffnet.

Möglicherweise und sogar sehr wahrscheinlich erhalten die Privatanleger noch eine Schonfrist. Die Zeichen in der Politik und in der Wirtschaft stehen auf Sturm und bevor die neuartigen Wetterderivate zum Einsatz kommen, müssen die Finanz-Gewitter, die sich am Horizont abzeichnen, erst einmal vorbeiziehen. In dieser Zeit der Konsolidierung wird eine Rückbesinnung der Anleger zu einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis führen. Eine auf die persönlichen Verhältnisse abgestimmte Gold-Strategie bietet nicht nur Schutz vor drohenden Unwettern, sondern macht Gold zu einer gewinnbringenden Investition.

Die Entscheidung, ob man in Gold investiert und wie viel man investieren möchte, hängt in jedem Fall von der individuellen Situation eines jeden Einzelnen ab. Abertausende von Anlegern haben sich Ende der neunziger Jahre in Aktien gestürzt, ohne sich vorher viele Gedanken zu machen. Diesen Fehler sollten Investoren vor dem Einstieg in Gold nicht machen. Wer in Gold investiert, muss sich in jedem Fall darüber im Klaren sein, dass er/sie zu 100 Prozent auf eigene Verantwortung handelt und dass auch für Gold keine Gewinn-Garantien ausgegeben werden. Wer in den achtziger Jahren Gold gekauft hätte, würde heute auf hohen Verlusten sitzen. Wer damals in Aktien eingestiegen wäre, der hätte wahrscheinlich trotz der immensen Kursverluste seit 2000 immer noch einiges übrig. Den optimalen Zeitpunkt für ein Engagement in Gold kennt niemand, aber die Zeichen für einen steigenden Goldpreis standen schon lange nicht mehr so gut wie jetzt. Wie für alle anderen Investitionen gilt auch bei Gold die „eiserne“ Regel: nicht alles auf eine Karte setzen.

Als Grundstein der persönlichen Gold-Strategie ist eine Anlage von fünf Prozent des privaten Vermögens in physischem Gold sinnvoll. In allen Zivilisationen der letzten 4000 Jahre hatte das gelbe Metall nicht nur eine reguläre Geldfunktion, sondern es spielte eine glänzende Rolle als Zufluchtswährung in Krisenzeiten. Die Frage zu beantworten, in welchem Ausmaß uns Krisen bevorstehen, würde hellseherische Fähigkeiten erfordern. Die Tatsache, dass im weltweiten Finanzsystem, welches am Wohl und Wehe des Dollars hängt, nicht alles in bester Ordnung ist, kann man mit einer normalen Beobachtungsgabe erkennen. Um über den reinen Zufluchtsgedanken hinaus in den nächsten Jahren von den Chancen des Goldes zu profitieren, sollen hier zwei Strategien vorgestellt werden, die für die Erstellung eines persönlichen Goldanlagekonzeptes zugrunde gelegt werden können: die Sicherheits-Strategie und die Gewinn-Strategie.

Bei der Sicherheits-Strategie werden insgesamt 10 Prozent des privaten Vermögens im Goldmarkt angelegt. Die Hälfte dieser zehn Prozent, also insgesamt 5 Prozent des Privatvermögens werden in Goldmünzen oder Barren angelegt. Für dreißig Prozent aus diesen zehn Prozent, entsprechend 3 Prozent des Gesamtvermögens, werden Zertifikate auf den Goldpreis gekauft. Somit sind 8 Prozent des Privatvermögens direkt an der Entwicklung des Goldpreises beteiligt. Die restlichen zwanzig Prozent der im Goldmarkt anzulegenden Summe – 2 Prozent des Gesamtvermögens – fließen in einen Goldminenfonds. Mit dieser Position soll von steigenden Kursen der Goldproduzenten profitiert werden.

Die Goldmünzen oder Barren sind die Sicherheitsbasis und bleiben als harter Kern am längsten im persönlichen Besitz. Während des Goldpreisanstieges werden aus den nach einiger Zeit entstehenden Buchgewinnen zunächst über den einfachen und schnellen Verkauf der Goldzertifikate echte Gewinne. Wenn der Goldpreis weiter ansteigt, werden nach und nach Gewinne aus den Fondsanteilen der Goldminen realisiert. Das physische Gold wird möglichst lange behalten. Erst wenn sich fundamental und charttechnisch abzeichnet, dass das Gold dabei ist, den übergeordneten Aufwärtstrend zu verlassen (s. Artikel Das bestgehütete Goldgeheimnis), sollte mit dem Verkauf der Münzen und/oder Barren begonnen werden.

Die Sicherheitsstrategie im Überblick:
Anlagevolumen: 10% des privaten Vermögens
Aufteilung: 50% Goldmünzen oder Barren
30% Zertifikate auf den Goldpreis
20% Anteile an Goldminenfonds

Für die Gewinn-Strategie werden insgesamt 20 Prozent des Privatvermögens in den Goldmarkt investiert. 50 Prozent davon, also insgesamt 10 Prozent des Vermögens werden in Goldmünzen oder Barren angelegt. Für 20 Prozent, entsprechend 4 Prozent des Gesamtvermögens, werden Zertifikate auf den Goldpreis gekauft. Somit sind 14 Prozent des Privatvermögens im Verhältnis 1 : 1 an die Goldpreisentwicklung gekoppelt. Weitere 20 Prozent, also 4 Prozent des Vermögens, fließen in Goldminenfonds und Goldminenzertifikate. Die Zertifikate haben eine andere Gestaltung und Kostenstruktur als die Goldminenfonds und bieten dadurch eine höhere Flexibilität für die Nutzung kurzfristiger Trading-Gelegenheiten. Für die restlichen zehn Prozent des Gold-Budgets, das sind 2 Prozent des Vermögens, werden Call-Optionssscheine auf den Goldpreis gekauft. Mit einem limitierten Kapitaleinsatz in diese Hebel-Instrumente können zusätzliche Gewinnchancen genutzt werden.

Als wichtigen Punkt beim Kauf von Gold-Calls sollte man unbedingt beachten, dass man keine allzu kurzen Laufzeiten wählt. Da die Goldpreisentwicklung mit teilweise erheblichen kurzfristigen Schwankungen einhergeht, würde man mit der Wahl von kurzen Laufzeiten überdurchschnittliche Risiken eingehen. Empfehlenswert sind Laufzeiten von mindestens 2 Jahren oder länger. Der mit den Scheinen reservierte Bezugspreis, auch Basispreis genannt, sollte nicht mehr als 10 Prozent aus dem Geld (über dem aktuellen Goldpreis) liegen.

 

Die Gewinn-Strategie im Überblick:
Anlagevolumen: 20% des privaten Vermögens
Aufteilung: 50% Goldmünzen oder Barren
20% Zertifikate auf den Goldpreis
20% Goldminenfonds/Goldminen

Zertifikate

10% Call-Optionsscheine auf den Goldpreis

Neben der Grundregel „nicht alles auf eine Karte setzten“ gibt es eine weitere wichtige Regel zu beachten: Nicht alles auf einmal investieren. Nach diesem Prinzip setzt man Schritt für Schritt sein individuelles Goldanlagekonzept in die Praxis um.
1. Wenn man mit Goldmünzen oder Barren im Volumen von 5 Prozent des Vermögens den Grundstock für ein Anlagekonzept gelegt hat, kann man stufenweise die Investitionen ausbauen. Für die Sicherheitsstrategie hat man dann bereits die Position des physischen Goldes mit 50 Prozent besetzt.
2. Man fügt den 30 Prozent-Anteil der Zertifikate auf den Goldpreis hinzu.
3. Man ergänzt später die restlichen 20 Prozent für die Anteile an Goldminenfonds.

Als Alternative kann man Schritt 3 nach Schritt 1 vornehmen und Schritt 2 zuletzt umsetzten. Wer die Gewinnstrategie umsetzen möchte, geht zunächst in der gleichen Reihenfolge vor. Man legt den Grundstock mit 5 Prozent des Vermögens in physischem Gold. Man setzt die Sicherheitsstrategie schrittweise in die Praxis um. Man baut die Sicherheitsstrategie durch Zukäufe weiter aus zur Gewinnstrategie, indem man die bestehenden Positionen aufstockt oder ergänzt und die Optionsscheine ins Portfolio mit aufnimmt.