Der Preis des Goldes auf dem Weltmarkt – die Gesetze von Angebot

Der Preis des Goldes auf dem Weltmarkt – die Gesetze von Angebot
Gold ist ein gemanagter Markt. Zwar gelten auch bei Gold die Gesetze von Angebot und Nachfrage, aber bedingt dadurch, dass in diesem Markt Notenbanker und Politiker ihre Hände im Spiel haben, gibt es einige Besonderheiten. In den Tresoren der Regierungen und internationalen Institutionen liegen mehr als 32.000 Tonnen. Die größten Goldhalter sind die USA, gefolgt von Deutschland, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), Frankreich, Italien und der Schweiz. Nach einer Aufstellung des World Gold Council vom Februar 2003 verteilt sich der Goldbesitz wie folgt:

Land Goldbestand in Tonnen Goldbestand in Unzen (in Mio. gerundet, 1 Unze=31,1 Gramm
USA 8149 262
Deutschland 3446 111
IWF (Int. Währungsfonds) 3217 103
Frankreich 3024 97
Italien 2452 79
Schweiz 1888 61
Niederlande 843 27
EZB (Europ. Zentralbank) 767 25
Japan 765 24
China 600 19
Portugal 592 18
Spanien 523 17
Taiwan 422 14
Russland 387 12

Obwohl die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Januar 2003 schrieb, eine zentrale Funktion im internationalen Währungssystem komme Gold nicht mehr zu, könnte in den nächsten Jahren genau das Gegenteil zutreffen. In den neunziger Jahren verunsicherten die großen Zentralbanken der Welt den Goldmarkt, als sie ihn regelmäßig mit Gold überschwemmten, um die Staatskassen zu füllen. Vor allem die heutigen Euroländer waren für niedrige Goldkurse verantwortlich. Aus den elf nationalen Notenbanken sollte eine einzige werden – die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main – und aus vielen Goldschätzen sollte einer werden. Dadurch war das gelbe Metall tonnenweise überflüssig und wurde in den Markt gebracht, der Preis pro Unze sank auf 250 Dollar. Um den Goldpreis nicht weiter zu destabilisieren, haben sich die Bundesbank und 14 weitere europäische Notenbanken 1999 im Washingtoner Goldabkommen verpflichtet, bis September 2004 nur insgesamt 400 Tonnen Gold zu verkaufen.

Ein Nachfolgeabkommen gilt als sicher, liegt es doch im Interesse der Notenbanken, denn mit dem Goldpreis steigt auch der Wert der noch verbliebenen staatlichen Goldschätze. Von amerikanischer Seite ist mit hoher Sicherheit nicht zu erwarten, dass sie Teile ihres Goldschatzes veräußert und damit möglicherweise den Goldpreis auf Talfahrt schickt. Auf Grund der relativ geringen Papierreserven Amerikas im Gegenwert von ca. 15 Milliarden US-Dollar in Yen und 18 Milliarden US-Dollar in Euro wäre ein Verkauf ökonomisch schwer zu verantworten. Wesentlich bedeutsamer ist das Gold der Amerikaner angesichts ihrer riesigen Handelsbilanzdefizite: für den nicht auszuschließenden Fall einer Zahlungsbilanzkrise der USA würden ihre niedrigen Yen- und Euroreserven nicht einmal ausreichen, um das Handelsbilanzdefizit eines einzigen Monats zu finanzieren. In einer solchen Situation könnten nur noch die offiziellen Goldbestände ein letztes Restvertrauen für den Dollar bewahren

Sollten in der näheren Zukunft die asiatischen Notenbanken US-Dollar verkaufen und Gold kaufen, dürfte man sich auch bei der Bundesbank die dringende Frage stellen, ob nicht eher die amerikanische Währung der kritische Bestandteil der deutschen und europäischen Währungsreserven sind. Es könnte sich langfristig als verheerend herausstellen, wenn die europäischen Zentralbanken der Reihe nach ihre soliden und weltweit akzeptierten Vermögenswerte in Gold verkaufen und in immer wertloser werdendes Papiergeld Umtauschen, während zur gleichen Zeit die asiatischen Notenbanken wertvolles Gold anhäufen und die amerikanische und japanische Notenbank durch eine extrem expansive Geldpolitik die Devisen der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank entwerten.

Auch aus diesem Grund ist anzunehmen, dass die Notenbanken als kursbelastender Faktor für das Gold wegfallen. Sollten bei einer Neuauflage des Washingtoner Goldabkommens ein höheres Verkaufsvolumen, z. B. von 500 Tonnen pro Jahr, vereinbart werden, um von dem gestiegenen Goldpreis die Staatskassen aufzufüllen, dürfte dies dem Goldpreis nicht schaden. Durch Zukäufe anderer Zentralbanken infolge der Dollarschwäche sollte das zusätzliche Angebot mehr als ausgeglichen werden. So hat alleine China zwischen November 2002 und Februar 2003 seine Goldbestände um 20 Prozent, das waren 100 Tonnen, hochgefahren.

Die Goldnachfrage außerhalb des direkten Einfluss-Bereiches der Politik und der Notenbanken wird zum größten Teil von der Nachfrage nach Schmuck-Gold, nämlich 78 Prozent, bestimmt. Vor allem in Süd- und Südostasien ist die Schmuckindustrie größter Abnehmer von Gold. Der wichtigste Absatzmarkt generell ist Indien, wo das Edelmetall als Schmuck und Geldanlage gefragt ist. Die Industrie verarbeitet knapp 9 Prozent und die Zahntechniker verbrauchen gut 2 Prozent des Goldes. Gold als Geldanlage spielt zurzeit (noch) eine relativ geringe Rolle. Mit gut 10 Prozent des Goldbedarfs hat der Investment-Bereich momentan keine allzu große Bedeutung. Dies war nicht immer so. Bis zu den Zeiten vor der großen Aktienspekulation in den neunziger Jahren hatten die renommierten Vermögensverwalter in die Portfolios ihrer wohlhabenden Kunden immer beachtliche Goldanteile zur Vermögensstreuung und Absicherung integriert.

Und gerade dieser Absicherungsgedanke wird es sein, der dem Gold in nächster Zeit wieder zu neuem Glanz verhelfen wird: Steigen die Inflationserwartungen, steigt auch der Goldpreis. Auch wenn sich viele Politiker und Notenbanker im Jahr 2003 mehr Sorgen über Deflation als über Inflation machten, bleibt auf mittlere Sicht ein sehr hohes Inflationsrisiko, denn gerade im Kampf gegen die Deflation ist die Inflation schon angelegt. Um ein Abrutschen in die Deflation zu verhindern, hatte die US-Notenbank mit ihren drastischen Zinssenkungen eine extrem expansive Geldpolitik eingeschlagen und bei Bedarf weitere unkonventionelle Maßnahmen ange kündigt. Sollte eine Deflation mit anderen Mittel nicht zu verhindern sein, würde die Fed Staatsanleihen in großem Stil zurückkaufen und den Markt mit Geld überschwemmen. Dies ist ein Patentrezept, um die Inflationsraten und den Goldpreis in die Höhe zu treiben. Das Risiko solcher unkonventioneller Maßnahmen liegt darin, dass nicht vorhersehbar ist, wie die Anleger auf solche massiven Eingriffe der Notenbank reagieren werden und wie weit die Notenbank das Ansteigen der Inflationsraten dann tatsächlich unter Kontrolle hat. Als Gegenreaktion könnte dann ein Extremausschlag in die andere Richtung eine Hyperinflation mit noch viel höheren Goldpreisen die Folge sein.

Aber auch da, wo die Deflation zu Hause ist, spielt Gold eine wichtige Rolle. In Japan sinken die Verbraucherpreise seit über 10 Jahren und Gold findet immer mehr Käufer aus Angst vor einem Abwertungswettlauf der Währungen. Amerika wünscht sich einen schwachen Dollar, um sich elegant zu entschulden und Japan kämpft heftig, dass der Yen zum Dollar nicht zu stark wird. Das hatte bereits im Jahr 2002 dazu geführt, dass die japanischen Privatanleger zu den eifrigsten Goldkäufern zählten.

Außerdem sorgte der reale Geldwertanstieg in der Deflation dafür, dass Schulden eine höhere Last darstellten als zu Inflationszeiten. Daher versuchten Darlehensnehmer, Kredite möglichst schnell zurückzuzahlen und hielten sich trotz niedrigster Zinsen mit der Neuaufnahme von Darlehen stark zurück. Somit wurde die Rolle der Banken als Vermittler zwischen Geldgebern und Geldnehmern unterhöhlt und Zweifel am ohnehin geschwächten Finanzsystem wurden verstärkt: Gold findet selbst in der Deflation mehr Käufer.

Auch Japans Nachbarn, die Chinesen, dürften in Zukunft engagierte Goldkäufer werden. Wenn die Reformen in China wie geplant umgesetzt werden, wird der Goldmarkt vollständig geöffnet und privaten Investoren erstmals der Handel mit dem gelben Metall erlaubt. Sobald Chinas Bürger ihr Geld in Gold stecken dürfen, wird die Nachfrage dort drastisch steigen. Selbst wenn nur 0,1 Prozent der Ersparnisse chinesischer Privatanleger in Gold angelegt würde, käme man auf fast 90 Tonnen Gold (29). Das erste Interesse, das die Investoren bekundet haben, lässt auf wesentlich höheren Bedarf schließen. Die chinesische Notenbank, welche für die Geldpolitik einer der größten Volkswirtschaften der Welt verantwortlich ist, stellt einen potentiellen Großinvestor dar. Mit gerade einmal 600 Tonnen Gold als Einlage hat das Land China nur 2,4 Prozent seiner Währungsreserven in Gold angelegt und somit einen sehr großen Nachholbedarf. Das könnte ein Turbo für den Goldpreis sein.